Digital Devil Story: Megami Tensei

Erstveröffentlichung: 1987
Plattform: NES
Entwickler: ATLUS

Die sogenannten MEGATEN-RPGs sind in Japan eine der großen Rollenspielserien. Mittlerweile hat die Serie auch im Westen Fuß gefasst, wo sie lange wegen religiös sensibler Inhalte nicht lokalisiert wurde. Mitte der 2000er Jahre erschienen erste Titel in unseren Gefilden, insbesondere die Persona-Subserie erfreut sich großer Beliebtheit. Ihren Ursprung hat die Serie im Jahr 1987, also in dem Jahr, in dem auch Final Fantasy das Licht der Gaming-Welt blickte. Die Megaten-Games sind also eine langlaufende Reihe an japanischen Rollenspielen, die sich in ihrer Bedeutung für das

Genre durchaus neben Größen wie Dragon Quest, dem bereits benannten Final Fantasy, der Tales-Serie oder auch den The Legend of Heroes-Titeln einordnen lassen.


Mein Blick richtet sich heute auf den Urvater der Reihe: Digital Devil Story: Megami Tensei. Das Spiel basiert auf Romanen, in denen der Protagonist ein Computerprogramm schreibt und damit die Tore zur Unterwelt öffnet. Diese Prämisse liegt auch dem NES-Game zu Grunde, in dem es gilt, zahlreiche Dämonen zu bekämpfen. Anders als die oben genannten RPGs der Frühzeit spielte Megami Tensei damit nicht in einem Mittelalter-Fantasy-Setting, sondern eher in der Gegenwart, wenngleich davon ingame nicht wirklich viel zu merken ist. Das Grundthema wird der Serie fortan erhalten bleiben, die meisten Megaten-Spiele sind in der Gegenwart angesiedelt oder in einer nahen Zukunft, verbunden mit postapokalyptischen Einflüssen.


Im ersten Megami Tensei spielt man einen Jungen und ein Mädchen, die versuchen, die Tore der Unterwelt wieder zu schließen. Zu Beginn müssen Charakterwerte festgelegt werden. In Form eines Dungeon-Crawlers werden sodann zahllose Etagen eines großen Labyrinths erkundet. Die Wanderungen durch die 3D-Verliese werden regelmäßig durch Zufallskämpfe unterbrochen. Neben der Möglichkeit, die dämonischen Gegner einfach niederzuknüppeln, lassen diese sich auch rekrutieren und dann als Mitstreiter in der eigenen Party einsetzen. Die Überzeugungsarbeit, die dabei geleistet werden muss, scheint eher ein Glücksspiel zu sein, als wirklich einer erkennbaren Systematik zu folgen. Ich jedenfalls konnte kein klares Muster ausmachen. Vermutlich hat auch die angezeigte Mondphase etwas damit zu tun. Jedenfalls ist hier also eine früher Art Monster-Collection-Mechanik integriert, wie wir sie später auch in Pokémon finden, und das wohlgemerkt bereits im Jahr 1987.


Ich selbst habe das Spiel einige Stunden angezockt. Aus videospiel-historischen Gründen lohnt sich ein Blick, aber man merkt dem Spiel sein Alter deutlich an. Wer sich wagt, in den Megaten-Dungeon hinabzusteigen, darf keine Angst vorm Grinden haben.Erfahrungspunkte und Geld müssen hart erkämpft werden, um die Party besser auszustatten, weiterzuentwickeln und rekrutierte Dämonen  zu neuen Wesen zu fusionieren. Wie viele andere Spiele dieser Zeit nimmt Megami Tensei euch kaum an die Hand und kann frustrierend schwer sein. Fortschritte werden mittels eines Passwort-Systems gesichert, der riesige Kerker muss also nicht an einem Stück bewältigt werden.



Technisch erscheint Megami Tensei für das Jahr 1987 durchaus beeindruckend, zumal man sich die begrenzten Hardware-Grundlagen vor Augen führen muss. Ein 3D-Dungeon-Crawler-RPG auf dem NES - das ist eine starke Leistung der Entwickler, die sich vermutlich von PC-Titeln wie Wizardry inspirieren ließen. In einigen Quellen ist zu lesen, dass die Sprites nur mit einigen Programmiertricks auf den schmalen Speicherplatz des Moduls zu bringen waren. So wirkt das Game durchaus ambitioniert in seiner Grundstruktur und seinen Gameplay-Mechaniken.



Die technischen Limitierungen sorgen letztlich aber auch dafür, dass die Grafik insgesamt eher funktional ausfällt. Die Orientierung in den verwinkelten Gängen des Dungeons fällt schwer. Heutzutage ist es sicher eine gute Idee, sich an im Web zu findenden Walktroughs und Übersichtskarten zu bedienen - zumindest, wenn man nicht wie in der Originalerfahrung Ende der 80er Jahre Karten selbst beim Zocken zeichnen möchte.



Neben dem NES-Titel, über den ich hier geschrieben habe, gab es übrigens noch ein gleichnahmiges Action-RPG für Computer von Telnet, das aber nichts mit der sich dann entwickelnden Megaten-Serie zu tun hat und separat zu sehen ist. Megami Tensei erhielt eine direkte Fortsetzung - Megami Tensei 2. Auf dem SNES ging die Serie dann überarbeitet in einer Mischung aus Remake und Neuausrichtung als Shin Megami Tensei weiter, diesen Namen trägt die Hauptreihe seither. Daneben sind eine Vielzahl von Nebenreihen und Ablegern innerhalb des Franchise erschienen, die sich in der Regel die inhaltlichen Prämissen teilen, sonst aber meist eigenständig für sich stehen.


Fazit:
Wer Megami Tensei heute zockt, ist vermutlich videospiel-historisch interessiert oder ein absoluter Liebhaber. Für die meisten Anderen dürfte das Game aufgrund seines Alters, des Schwierigkeitsgrades und der geringen Zugänglichkeit heutzutage wenig vergnüglich, aber zumindest mal ein Anspielen wert sein. Der Blick lohnt sich aber auf jeden Fall einerseits, weil man ein Gefühl für die begrenzten technischen Möglichkeiten bekommt, aus dem Entwickler dann letztlich doch Einiges herauszuholen vermochten. Andererseits ist es spannend, eine der Urwurzeln des Genres und einer heute noch relevanten RPG-Reihe ein wenig zu erkunden.

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