Suikoden - Das Epos der 108 Sterne
Taucht
mit mir in die Welt eines echten PSX-Klassikers ein! Das Konami-RPG
Suikoden habe ich in diesem Jahr endlich einmal nachgeholt und in der
modernen HD-Neuauflage (Suikoden I & II HD Remaster Gate Rune and
Dunan Unification Wars) auf der Nintendo Switch gezockt. In dieser
Collection werden der erste und der zweite Teil der Reihe vereint und
ordentlich aufpoliert. Da die originalen PSX-Versionen dieser Games
ziemlich begehrt und entsprechend teuer sind, bietet sich mit der
Neuauflage allen Interessierten die Möglichkeit dieses wegweisende
RPG einmal selbst zu erleben.
Suikoden
erschien ursprünglich am 15. Dezember 1995 in Japan. Nordamerika
folgte im Dezember 1996, und wir in Europa konnten das Epos ab April
1997 auf unserer PlayStation erleben.
Die
Handlung des Spiels ist tief verwurzelt in einem der vier klassischen
Romane der chinesischen Literatur: „Die Räuber vom
Liang-Schan-Moor“. Dieses Fundament liefert den narrativen
Nährboden für eine komplexe Geschichte über Politik und Intrigen.
In Suikoden werden wir Zeuge einer Revolution gegen eine tyrannische
Herrschaft.
Der
junge Held, Sohn eines Generals, findet sich schnell zwischen
Loyalität zum Staat und der Notwendigkeit, sich gegen dessen Verfall
aufzulehnen. Es ist ein Spiel, das seine Charaktere ernst nimmt und
moralische Grauzonen auslotet.
Die
zentrale und besondere Mechanik von Suikoden ist das Sammeln von 108
einzigartigen Charakteren. Jeder dieser "Sterne" schließt
sich der aufstrebenden Befreiungsarmee an, deren Zentrum eine eigene,
wachsende Festung wird.
Die
Festung dient nicht nur als Operationsbasis, sondern als lebendiges
Zuhause für die 108 Verbündeten, von denen jeder eine spezifische
Rolle als Kämpfer, Wirt, Schmied, Item-Händler oder einfach als
jemand, der die Gemeinschaft belebt, einnimmt. Dieses Feature
verleiht der Suche nach Verbündeten einen echten, spürbaren
Mehrwert und vermittelt ein Gefühl von Gemeinschaft und Fortschritt.
Suikoden
brach mit den Konventionen, indem es nicht nur ein, sondern gleich
drei verschiedene Kampfsysteme bot:
Da
sind zum einen die regulären Gruppenkämpfe: Bis zu sechs Charaktere
können gleichzeitig an rundenbasierten Kämpfen teilnehmen. Diese
sind bemerkenswert schnell und knackig, oft innerhalb weniger
Sekunden beendet. Die Originalversion auf der PSX zeichnete sich hier
durch minimale Ladezeiten aus, was ein flüssiges Spielerlebnis
garantierte.
Zum
anderen gibt es Duelle (Eins-gegen-Eins-Kämpfe): In wichtigen
Story-Momenten fordern sich Charaktere zu einem rituellen Duell
heraus. Dieses läuft als ein einfaches, aber spannendes
Schere-Stein-Papier-Prinzip ab, bei dem man die Ansagen des Gegners
deuten muss.
Das
dritte Kampfsystem sind die Massenschlachten: Vor einem
Render-Hintergund inszeniert das Spiel Schlachten um die Oberhand
einer Festung oder Region. Auch diese werden über eine Art
Schere-Stein-Papier-Mechanik gelöst, wobei man verschiedene
Einheiten (Magier, Bogenschützen, Infanterie) strategisch
gegeneinander ausspielt.
Technisch
war Suikoden bei seinem Erscheinen ein frühes PSX-RPG, das den
Sprung von der 16-Bit-Ära nicht allzu radikal vollzog. Das Spiel
nutzt einen Top-Down-2D-Stil mit relativ großen und detaillierten
Sprites. Lediglich die Kampfszenen selbst brachten einen Hauch von 3D
ins Spiel – mit einer polygonalen Arena und einer kurzen,
rotierenden Kameraführung zu Beginn.
Die
wahre technische Besonderheit der neuen Möglichkeiten der
Playstation zeigte sich vor allem im Sound. Dank des CD-Mediums der
PlayStation konnte orchestrale Musik in das Spiel integriert werden,
die maßgeblich zur epischen Atmosphäre und den emotionalen Momenten
des Spiels beiträgt.
Im
Gegensatz zu vielen heutigen oder selbst damaligen JRPG-Epen, die
gerne mal 50, 60 oder mehr Spielstunden dauern, bietet Suikoden ein
angenehm knackiges Abenteuer von etwa 20 bis 25 Stunden. Wer ein
tiefgründiges RPG_Erlebnis sucht, ohne sich auf einen
Monats-Marathon einlassen zu müssen, wird hier fündig.
Ein
kleiner Wermutstropfen, ist wohl das hakelige Item- und
Ausrüstungsmanagement, das angesichts der 108 Charaktere mitunter
mühsam sein kann. Glücklicherweise bietet der HD-Remaster mit
Features wie Auto-Speicherung und einem Battle Fast Forward angenehme
Quality-of-Life-Verbesserungen, die das Erlebnis modernisieren.
Suikoden
wurde später noch mehrfach für andere Systeme veröffentlicht,
darunter der Sega Saturn und das Playstation Network. Der Titel
begründete eine kultige RPG-Reihe mit mehreren Fortsetzungen auf der
PlayStation und PS2. Auch einen Ableger für den Nintendo DS
(Suikoden Tierkreis) gab es. 2025 soll zudem der Mobile-Ableger
Suikoden STAR LEAP erscheinen.
Fans
von Oldschool-JRPGs mit tiefgründigen, politisch angehauchten
Geschichten und Liebhaber von Sammel-Mechaniken in Videospielen
sollten diesem Klassiker unbedingt eine Chance geben. Die
empfehlenswerte HD-Version bietet dabei die zugänglichste
Spielerfahrung.