Xenoblade Chronicles
Erstveröffentlichung: 2010
Plattform: Wii
Entwickler: Monolith Soft, Nintendo
Plattform: Wii
Entwickler: Monolith Soft, Nintendo
Ich musste eine Weile darüber nachdenken, welchem Spiel ich auf meinem Blog den ersten eigenen Beitrag widmen möchte. Schließlich gibt es einige prägende RPGs, die ich hätte nennen können. Meine Wahl fiel schließlich auf Xenoblade Chronicles. Was dieses Game für mich so besonders gemacht hat, lest ihr im Folgenden:
Die Nintendo Wii war ähnlich wie ihre Vorgänger, das N64 und der
Gamecube nicht gerade die Plattform, auf der man als RPG-Liebhaber
eine große Auswahl vorfinden konnte. Ziemlich gegen Ende der
Lebenszeit der Konsole wurden Fans des Genres dann aber doch noch mit
ein paar bemerkenswerten Spielen bedacht. Pandoras Tower, Last Story
und Xenoblade Chronicles bildeten in gewisser Weise eine Offensive an
Core-Games, in einer Zeit, in der die Wii für viele nur noch als
Casual-Konsole für Kinder und Rentner belächelt wurde und in der
auch die starken verkaufszahlen langsam aber sicher nachließen.
Zunächst erschienen diese drei Spiele nicht in den USA, in Zeiten
des erstarkenden Internets machten amerikanische Gamer dann mittels
der „Operation Rainfall“ auf diesen Missstand aufmerksam. So
wurden die besagten Spiele dann also doch auch noch in den USA
veröffentlicht. Dieser Exkurs ist deswegen interessant, weil der
zunächst bestehende Fokus auf den europäischen Markt eine
Synchronisation in britischem Englisch bedingte, die den Spielen eine
ganz eigene Note in der Vertonung verliehen.
Xenoblade Chronicles
ist also eines dieser Spiele und es ist nicht nur wegen der
Synchronisation, sondern auch in vielerlei anderer Hinsicht sehr
besonders. Es ist Teil der Xeno-Metareihe und reiht sich damit in die
Riege klangvoller RPGs wie Xenogears (PS1) und die Xenosaga-Spiele
(PS2 und NDS) ein, wenngleich es storytechnisch nicht mit diesen
Spielen in Verbindung steht.
Ich kann mich noch
gut daran erinnern, wie ich das erste mal in einer
Videospiele-Zeitschrift einen Artikel über Xenoblade las, damals
noch unter dem Titel „Monado: The Beginning of the World“ Die
Faszination eines wirklich großen RPGs und grafisch
vielversprechende Screenshots machten mir Lust auf mehr. Das Spiel
erschien bei uns in Europa dann am 19. August 2011. Ich selbst besaß
keine Wii, schaute dann eher Kumpels oder meinem Bruder beim zocken
zu. Und damals reichte mir das auch. Das faszinierende Setting, die
kreative Umsetzung, die mitreißende Musik und die wendungsreiche
Story interessierten mich, aber damals fehlte mir die Zeit und der
Zugang, dieses umfangreiche Epos selbst anzuspielen. Das Finale
erlebte ich damals dann trotzdem bereits mit: Mitten in der Nacht
stürmte mein Bruder in mein Zimmer und meinte, er wäre jetzt wohl
kurz vorm Finale, also setzte ich mich dazu. Es wurde epischer und
epischer, nahm aber kein Ende. Ja, Xenoblade braucht wirklich Zeit.
Es brauchte dann für mich auch noch einige Zeit und einige Versuche,
bis ich mich wirklich selbst an das Spiel heranwagte. Im April 2015
wurde Xenoblade Chronicles für den New Nintendo 3DS umgesetzt. Klar,
mit niedriger Auflösung, aber dennoch beeindruckend, dass dieses
Werk auf dem kleinen Handheld umgesetzt werden konnte. Auch bei
dieser Version griff ich nicht sofort zu, sondern irgendwann erst
2019. Diese Version spielte ich dann auch etwa 30 Stunden, bis zur
Ankündigung der Definitve Edition für die Nintendo Switch. In der
Fachpresse hagelte es positive Berichterstattungen, sodass ich
alsbald zugriff. Ich fragte mich, soll ich es nochmal wagen, die Zeit
zu investieren? Es reizte mich, die Story nochmal komplett selbst zu
erleben, und so versuchte ich es. Ich ließ mir Zeit; über das Jahr
2021 hinweg erkundete ich die Welt von Xenoblade und was soll ich
sagen? Es war ein unvergessliches Erlebnis. Ich hatte schon manche
RPGs und andere Videospiele gezockt, aber Xenoblade war anders, etwas Besonderes. Insbesondere das World-Building war bei
diesem Spiel etwas ganz neues: Mit riesigen offenen Landschaftenn,
einer auf der Wii vermutlich unvergleichlichen Weitsicht und
abwechslungsreichen Schauplätzen brachte Xenoblade seinerzeit
frischen Wind in das stagnierende JRPG-Genre, während der dynamische
Soundtrack das Gesamtwerk atmosphärisch abrundet.
Gameplaytechnisch
bietet Xenoblade abwechslungsreiche Kost: Man folgt nicht nur einer
großen Hauptquest, sondern kann zahllosen Nebentätigkeiten
nachgehen. Erkundung wird belohnt, Nebenquest bringen Erfahrung und
neue Items, es gibt Crafting-Möglichkeiten und Sammel-Aufgaben. Die
Charaktere werden jeweils einzeln geskillt und nehmen genretypische
Rollen wie Tank, Heiler oder Angreifer ein. Passende
Charakter-Builds, ein ordentliches Level und gute Ausrüstung sind
die Voraussetzung dafür, dass der Spieler in den unzähligen Kämpfen
nicht den Kürzeren zieht. Die Weiten der Spielwelt werden von
unterschiedlichsten Gegnern bevölkert. Deren Level ist ersichtlich
sodass man sich überlegen kann, ob es sich lohnt, den einige Level
höheren Gorilla oder Dino zu attackieren oder nicht. Die Kämpfe
selbst laufen dann actionbasiert ab und erinnern ein wenig an Final
Fantasy 12 oder Online-Rollenspiele. Man kämpft mit speziellen Arts,
die Abklingzeiten haben, verbindet einzelne Attacken zu
Kettenangriffen und muss Positionsabhängigkeiten beachten. Xenoblade
erinnert in einigen Aspekten wie eine Art Offline-MMO.
Auch die
Hintergund-Lore dieser Welt überrascht mit Kreativität: Die
Handlung ereignet sich auf den Überresten zweier im Kampf erstarrter
Titanen namens Bionis und Mechonis. Während der Eine biologische
Lebensformen beherbergt, leben auf dem anderen Titanen
Maschinenwesen, und – wie sollte es anders sein – diese beiden
Fraktionen stehen sich unversöhnlich in einem Krieg gegenüber. In
diesem Krieg ist die ursprünglich für das Spiel namensgebende
Klinge, das „Monado“ von besonderer Bedeutung. Hierbei handelt es
sich um eine mächtige Energieklinge, die nur wenige kontrollieren
können. Der Protagonist Shulk ist der Hauptnutzer des Schwertes im
Spiel. Doch das Monado birgt eine entscheidende Fähigkeit: Shulk
kann Visionen von der unmittelbaren Zukunft sehen. Im Kampf
kann der Spieler drohende Angriffe des Gegners vorhersehen und das
Schicksal durch strategische Aktionen ändern – sei es durch
Warnung der Verbündeten oder das gezielte Ausschalten des
Angreifers.
Mit einer sich im Laufe des Spiels verändernden
und anpassbaren Heldentruppe erkundet Shulk die riesige Welt und wird
Teil einer immer größeren Story, von der hier nichts weiter
verraten werden soll. Sicher muss man sich mit manchen narrativen und
charakterlichen Klischees arrangieren, im Großen und Ganzen stört
das aber wenig angesichts des epochal sich entfaltenden Narrativs,
das durchsetzt ist mit philosophischen und religiösen Zitaten und
das eine ganz besondere Faszination ausstrahlt.
Fazit:
Xenoblade
Chronicles ist mehr als nur ein JRPG; es ist eine monumentale
Story-Erfahrung, die Spieler über 80 Stunden fesselt. Die schiere
Größe der Welt, kombiniert mit einer der besten Storys des Genres,
einem unvergesslichen Soundtrack und einem tiefgründigen
Kampfsystem, das auch heute noch frisch wirkt, macht es zu einem
Meilenstein. Xenoblade hat sicher einen entscheidenden Anteil
daran, dass das Genre der JRPGs in den folgenden Jahren eine
Neubelebung erfahren durfte und dass es auch im Westen wieder stärker
Anklang bei Spielern fand.
Die
Definitive Edition (für Nintendo Switch) hat dieses Meisterwerk mit
moderner Grafik, verbessertem Soundtrack und einem zusätzlichen
Epilog (Future Connected) perfektioniert und bietet die ultimative
Möglichkeit, in dieses Abenteuer einzutauchen.