Castlevania: Symphony of the Night


Erstveröffentlichung: 1997
Plattform: PSX, PSP, Sega Saturn, Mobile (u. a.)
Entwickler: Konami

Darf ein Spiel, in dem man primär springt und schlägt, überhaupt in meinem RPG-Blog auftauchen? Diese Frage habe ich mir beim Spielen gestellt. Doch nach vielen spannenden Stunden im Schloss von Dracula kann die Antwort nur lauten: Ja, absolut! Während der Genre-Bruder Super Metroid auf reine Action setzt, ist Symphony of the Night (SotN) durchsetzt von Rollenspiel-Elementen. Es gibt Level-Ups, Statuswerte und eine Flut an Ausrüstungsgegenständen, die den Charakter Alucard zu einer ganz persönlichen Kampfmaschine formen.


Dabei war mein Weg zu diesem Klassiker alles andere als geradlinig. Die originale PlayStation-Version ist heute leider fast unbezahlbar, also sicherte ich mir 2024 kurz vor Toresschluss noch die Version im Xbox 360 Store. Doch der Anfang war hart. Ich scheiterte krachend an dem ersten echten Boss-Duo Gaibon und Slogra. Frustriert legte ich das Pad beiseite. Erst ein zweiter Anlauf auf der PSP – freigeschaltet im Spiel Castlevania: The Dracula X Chronicles – brachte die Wende. An einem nebligen Oktober-Wochenende spielte ich gemeinsam mit meinem Bruder, und plötzlich passierte es: Es machte „Klick“.

Symphony of the Night hat eine unglaubliche Eigenschaft: Es lässt einen am Anfang spüren, wie schwach man ist, nur um einen dann in einen regelrechten Macht-Rausch zu ziehen. Alucard, der Sohn von Dracula, erwacht 1797 aus seinem Schlaf und muss feststellen, dass das Schloss seines Vaters erneut erschienen ist. Ohne seine mächtige Start-Ausrüstung steht man zunächst fast nackt da.


Doch genau hier greifen die RPG-Mechaniken perfekt ineinander. Jede Entdeckung, jede neue Rüstung und vor allem jede neue Fähigkeit – sei es die Verwandlung in einen Wolf, einen Nebel oder eine Fledermaus – öffnet nicht nur neue Wege, sondern motiviert ungemein. Was mich aber besonders beeindruckt hat, ist die grafische Detailverliebtheit. In einer Zeit, als die Branche nach 3D-Grafik gierte, lieferte Konami hier Pixelkunst ab, die heute noch Bestand hat und die durch ihre vielen kleinen, liebvollen Details, dezent eingesetzte 3D-Effekte und zahllosen butterweichen Animationen besticht.


Untermalt wird das Ganze von einem Soundtrack, der zu den stärksten der Ära gehört. Komponistin Michiru Yamane erschuf einen Mix aus Klassik, Rock und Jazz, der jede Zone des Schlosses perfekt charakterisiert. Besonders das melancholische Thema der Bibliothek oder die treibenden Beats im Uhrenturm tragen massiv zur dichten Atmosphäre bei.


Die Faszination von SotN liegt auch in seinem ungewöhnlichen Umfang. Wenn man denkt, man hätte das Spiel nach etwa zehn Stunden beendet, wartet eine besondere Wendung: das umgekehrte Schloss. Wer die richtigen Bedingungen erfüllt, darf das gesamte Spielfeld buchstäblich auf dem Kopf stehend noch einmal erkunden.


Das verändert nicht nur die Perspektive, sondern auch den Schwierigkeitsgrad spürbar. Es gibt neue Bosse, andere Feinde und noch mächtigere Ausrüstung. Zwar fühlt sich das Weltdesign hier nicht mehr ganz so flüssig und durchdacht an wie im ersten Durchgang – man muss beispielsweise oft zur Fledermaus-Form greifen, um voranzukommen –, aber die zusätzliche Spieltiefe ist enorm. Hier zeigt sich die wahre RPG-Natur des Spiels, wenn man beginnt, seltene Gegenstände wie das legendäre Schwert Crissaegrim zu suchen. Mit dieser Waffe in der Hand rasiert man buchstäblich alles weg, was sich einem in den Weg stellt – ein Moment großer spielerischer Befriedigung.


Wer nun Lust bekommen hat, in Draculas Schloss einzuziehen, hat zum Glück auch heute noch gute Möglichkeiten, ohne hunderte Euro für das PS1-Original auszugeben:
- Xbox: Das Spiel ist nach wie vor im Xbox Store erhältlich. Dank der Abwärtskompatibilität lässt sich die Xbox 360-Version problemlos auf der Xbox One und auch auf der aktuellen Xbox Series X/S spielen.
- PlayStation: Auf der PS4 und PS5 gibt es die Castlevania Requiem Sammlung, die SotN zusammen mit Rondo of Blood enthält.
- Mobile: Es existiert eine Version für iOS und Android, die zwar günstig ist, aber ohne physisches Gamepad kaum die volle Faszination entfaltet.

Symphony of the Night ist für mich im Jahr 2025 überraschend zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele geworden. Es ist der Beweis, dass gute Rollenspiel-Elemente und ein zeitloses Design ein Spiel über Jahrzehnte hinweg frisch halten können.


Ein Hinweis zu den Screenshots: SotN habe ich ja auf der PSP durchgespielt und hatte dabei noch nicht das Verfassen eines Artikels dazu im Blick. Von der inhaltlichen Vielfalt habe ich daher keine Screenshots erstellt. Die hier gezeigten Screenshots stammen aus der Mobile-Version, die ich aber aufgrund der für mich nicht passenden Touchscreen-Steuerung nur wenig gespielt habe. Deswegen sind hier also eher Bilder aus dem Anfangsbereich des Games zu sehen.

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