Das Sega Mega RPG Project: Segas verzweifelter Kampf um die Rollenspiel-Krone
Zwei der bekanntesten Titel des Projekts sind hierzulande Soleil (in Japan: Ragnacënty) und The Story of Thor (Beyond Oasis). Aus heutiger Sicht würden wir diese Spiele eher in die Schublade der Action-Adventures stecken – sie sind näher an The Legend of Zelda als an einem klassischen Dragon Quest.
Soleil bestach durch sein System mit tierischen Begleitern und eine überraschend philosophische Geschichte, während The Story of Thor technisch aus dem Mega Drive alles herausholte, was an Farben, Größe der Sprites und Animationen möglich war. Beide Spiele schafften es in den Westen und sind heute beliebte Klassiker der Konsole. Aber waren das die RPGs, die man sich als Antwort auf Final Fantasy gewünscht hatte? Vermutlich nur bedingt.
Spannend wird es bei den Titeln, die Japan nie verlassen haben. Surging Aura zum Beispiel war ein optischer Leckerbissen mit Charakterdesigns von Mutsumi Inomata, die später die Tales of-Reihe prägen sollte. Spielerisch war es ein klassisches JRPG, das leider nie offiziell lokalisiert wurde.
Zudem füllte Sega das Line-up mit Portierungen auf, wie den ersten beiden Dragon Slayer: The Legend of Heroes-Teilen. Diese Games stammten ursprünglich von Heimcomputern und fühlten sich auf dem Mega Drive schon 1994 fast ein wenig altbacken an – auch wenn sie historisch wichtig sind, da sie den Grundstein für die heute so beliebte Trails-Saga legten.
Auf dem Mega-CD gab es mit Shining Force CD zwar ein echtes Highlight (ein massives Remake der Game-Gear-Ableger), doch die geringe Verbreitung der Hardware verhinderte den großen Durchbruch. Dann gab es da noch das grindlastige After Armageddon Gaiden: Majuu Toushouden Eclipse, das, soviel man lesen kann, mit einem Cliffhanger endete und nie aufgelöst wurde.
Unterm Strich bleibt die Frage: Hat das Mega RPG Project das Versprechen eingelöst, Sega-Fans endlich gleichwertig zu versorgen? Ich würde sagen: Jein. Sega hat zwar mit aller Kraft Spiele zusammengetrommelt, aber die schiere Qualität und Masse eines SNES-Portfolios konnte man in dieser kurzen Zeitspanne (das Projekt endete bereits 1995) nicht mehr erreichen.
Dennoch hat diese Kampagne dafür gesorgt, dass wir heute auf dem Mega Drive mehr haben als „nur“ das fantastische Phantasy Star IV oder die Shining Force-Reihe. Es war ein mutiger, wenn auch etwas spät gestarteter Versuch, das Genre auf der schwarzen Konsole zu etablieren. Wer heute ein Faible für 16-Bit-Pixelkunst hat, kommt an Titeln wie Soleil oder Story of Thor nicht vorbei – egal, ob man sie nun als Action-Adventure oder RPG bezeichnet.