Star Ocean: The First Departure R


Die Star Ocean-Reihe nimmt in der Historie der japanischen Rollenspiele eine Sonderstellung ein. Während das Genre in den 90er-Jahren primär durch rundenbasierte Systeme definiert wurde, wagte sich das Entwicklerstudio tri-Ace an eine dynamischere Formel. Mit First Departure R ist inzwischen die technisch aktuellste Fassung des Seriendebüts für moderne Konsolen wie die Nintendo Switch spielbar. Es bietet die Gelegenheit, die Ursprünge einer Saga zu untersuchen, die den Begriff „Space Opera“ in das JRPG-Genre integrierte.



Die Entstehung des ursprünglichen Star Ocean (1996) ist eng mit der Geschichte des sogenannten Wolf Teams verknüpft. Nach der Entwicklung von Tales of Phantasia für das Super Famicom kam es zu kreativen Differenzen mit dem Publisher Namco. Ein Kernteam verließ das Studio und gründete tri-Ace unter der Flagge von Enix.
Diese Abspaltung erklärt die spielerische DNA: Das „Linear Motion Battle System“, das heute die Tales-Reihe definiert, findet in Star Ocean seine technologische Entsprechung. Auf dem Super Famicom war das Spiel zudem ein technischer Vorreiter: Durch den Einsatz des S-DD1-Chips konnten immense Grafikdaten komprimiert werden, was für die damalige Zeit außergewöhnliche Sprachausgabe und Animationen ermöglichte.


Das Setting von Star Ocean basiert auf dem Spannungsfeld zwischen unterentwickelten Planeten und interstellaren Zivilisationen – ein Konzept, das stark an die Oberste Direktive aus Star Trek erinnert. Die Handlung beginnt auf dem Planeten Roak, der sich technologisch auf einem mittelalterlichen Niveau befindet.

Obwohl das Sci-Fi-Element das Alleinstellungsmerkmal der Serie ist, bleibt es in diesem ersten Teil überraschend dezent. Als Spieler hätte ich mir eine stärkere Präsenz der futuristischen Komponenten gewünscht, da die meiste Zeit in klassischen Fantasy-Szenarien verbracht wird. Dennoch funktioniert der Kontrast als erzählerischer Rahmen gut.



Das Herzstück von Star Ocean ist nicht allein das actionorientierte Kampfsystem, sondern das tiefgreifende Fähigkeitensystem. Spieler investieren Skillpunkte (SP) in verschiedene Disziplinen, die weit über den Kampf hinausgehen: Durch das Erlernen von Fähigkeiten wie Kochen, Musizieren oder Schmieden schaltet die Gruppe „Specialties“ frei. Diese Mechaniken sind kein bloßes Beiwerk. Es ist beispielsweise möglich, durch das Komponieren von Musik gezielt starke Gegner für das Level-Grinding heraufzubeschwören.



Im direkten Vergleich zu anderen Genre-Vertretern wirkt die Welt von Star Ocean kompakt. Die Navigation erfolgt über eine klassische Weltkarte, während die Städte durch vorgerenderte Hintergründe dargestellt werden.

Die Spielzeit von unter 30 Stunden bietet eine fokussierte Erfahrung mit Star Ocean, was ich sehr angenehm empfand. Man merkt dem Spiel dabei aber auch seine Wurzeln als einer der letzten großen SNES-Titel an – die Spielwelt ist überschaubar.



Das originale Star Ocean erschien 1996 (Super Famicom). 2007 folgte das Remake First Departure für die PSP. Die hier besprochene R-Version (2019) ist ein HD-Remaster dieses Remakes mit verbesserten Illustrationen, die die ohnehin sehr schön animierten Sprites toll ergänzen, sowie mit neu vertonten Dialogen.

Bisher umfasst die Star-Ocean-Reihe sechs Hauptteile. Während Teil 5 - Integrity and Faithlessness - bei Kritikern und Fans gleichermaßen einen schweren Stand hatte, konnte tri-Ace mit The Divine Force (Teil 6) und dem jüngsten HD-2D-Remake des zweiten Teils viel Boden gutmachen.



Fazit

Star Ocean: First Departure R ist ein historisch wertvoller Eintrag der JRPG-Geschichte, der auch heute noch durch sein ungewöhnliches Skill-System überzeugt. Es ist die ideale Vorbereitung für den zweiten Teil der Serie, der unter Fans als der unangefochtene Höhepunkt gilt. Für Spieler, die eine Abwechslung zu rundenbasierten Kämpfen suchen und ein kompaktes RPG-Erlebnis schätzen, ist dieser Titel eine klare Empfehlung.


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