Fire Emblem [1]


Erstveröffentlichung: 2003

Plattform: GBA

Entwickler: Intelligent Systems



Es gibt Spiele, die man nage Zeit nur aus der Ferne begutachtet, zu denen man aber nie den richtigen spielerischen Zugang findet. So ging es mir lange Zeit mit dem Genre der Strategie-RPGs. Reihen wie Final Fantasy Tactics, Tactics Ogre oder auch Fire Emblem weckten zwar mein grundsätzliches Interesse, aber nicht meinen Drang, sie zu spielen. Vielleicht ändert sich das nun jedoch, denn ich habe endlich einen tieferen Blick in Fire Emblem für den Game Boy Advance gewagt. Nach den ersten zehn Spielstunden und dem Abschluss der ersten Kampagne kann ich sagen: Dieses Spiel hat meine Sicht auf ein ganzes Subgenre verändert.


Erschienen im Jahr 2003 (Japan/USA) bzw. 2004 (Europa), markiert dieser Titel einen der wichtigsten Momente in der Geschichte von Intelligent Systems. Es war das erste Mal, dass ein Fire Emblem-Teil offiziell außerhalb Japans erschien. Ausschlaggebend dafür war ein interessanter Nebeneffekt eines ganz anderen GameCube-Spiels: Die Popularität der Charaktere Marth und Roy im Prügelspiel Super Smash Bros. Melee überzeugte Nintendo davon, dass das westliche Publikum bereit für die rundenbasierte Taktik der Serie war.


Unter der Leitung von Director Taeko Kaneda und Produzent Tohru Narihiro, dem „Vater“ der Serie, entstand ein Werk, das die Balance zwischen erzählerischer Tiefe und spielerischem Anspruch fand. Während das Spiel in Japan der siebte Teil der Reihe war, fungierte es im Westen als Startpunkt der Reihe und bot einen zugänglichen Einstieg.


Die Handlung von Fire Emblem ist in mehrere Kampagnen unterteilt, die sich um die drei Protagonisten Lyn, Eliwood und Hector drehen. Das Spiel beginnt fast intim mit Lyns Suche nach ihrer Herkunft und weitet sich im Verlauf zu einem kontinentalen Epos auf dem Kontinent Elibe aus.
Obwohl die Story vielleicht nicht das alles überragende Riesen-Epos der RPG-Geschichte darstellt, ist sie doch interessant genug, um den Spieler konsequent am Ball zu halten. Die politischen Verstrickungen und die gut geschriebenen Charaktere sorgen für eine Atmosphäre, die gleichermaßen ritterlich-episch wie emotional packend ist. Man kämpft hier nicht für anonyme Statistiken, sondern für eine eingeschworene Truppe, die einem im Laufe der Kapitel ans Herz wächst.



Das mechanische Kernstück ist das rundenbasierte Kampfsystem auf Rasterkarten. Statt vieler kurzer Zufallskämpfe, wie man sie in klassischen JRPGs austrägt, stürzt sich der Spieler hier in ausgiebige Schlachten, die gerne mal eine halbe Stunde und länger dauern. Berühmt und berüchtigt ist das Waffendreieck – ein Stein-Schere-Papier-Prinzip (Schwert schlägt Axt, Axt schlägt Lanze, Lanze schlägt Schwert), das jede Positionierung auf dem Schlachtfeld zu einer taktischen Abwägung macht.
Ein wichtiges Merkmal der Serie ist der Permadeath: Besiegte Charaktere gehen dauerhaft verloren. Als Spieler mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus läuft dieses System dem eigenen Anspruch an ein „perfektes“ Team oft entgegen. Es verleiht dem Spiel jedoch eine enorme Spannung.
Trotz dieser harten Konsequenz wirkt das Spiel vom Schwierigkeitsgrad her überraschend fair. Besonders die ersten zehn Kapitel (Lyns Kampagne) dienen als exzellentes, wenn auch langes Tutorial, das selbst Taktik-Neulinge behutsam an die komplexen Systeme heranführt.


Technisch ist Fire Emblem ein absoluter für den Game Boy Advance. Das Spiel erstrahlt in schönster Pixel-Art mit vielen liebevollen Details. Besonders hervorzuheben sind die Kampf-Animationen: Wenn ein berittener Ritter zum Stoß ansetzt oder ein Schwertkämpfer kritische Treffer landet, geschieht dies mit einer Dynamik und Flüssigkeit, die im Handheld-Bereich ihresgleichen sucht. Gepaart mit dem heroischen Soundtrack entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das den Charme der 16-Bit-Ära perfekt in die GBA-Zeit transportiert. Denn nach den Anfängen auf dem NES etablierte sich die SRPG-Reihe bereits mit vier Titel auf dem SNES in Japan.


Der Erfolg dieses ersten Exports der Reihe legte den Grundstein für die weltweite Popularität von Fire Emblem. Ohne den Mut, diesen Titel im Westen zu veröffentlichen, hätten wir heute vermutlich keine modernen Ableger wie Three Houses oder Engage.


Wer Fire Emblem heutzutage erleben will, muss zumindest für das GBA-Modul tief in die Tasche greifen - das kennt man ja von Rollenspielen. Allerdings bietet sich eine weitaus günstigere Lösung an, denn FE ist im GBA-Spielekatalog des Erweiterungspakets von Nintendo Switch Online enthalten. Das war auch die Version, die ich gespielt habe.

Ich glaube, Fire Emblem (GBA) mich in gewisser Weise für die Serie und das gesamte Subgenre der Taktik-RPGs geöffnet. Ob ich den Titel bis zum Ende durchspiele, bleibt abzuwarten – die Erfahrung zeigt, dass diese Spiele im späteren Verlauf oft massiv an Schwierigkeit anziehen. Doch die Neugier ist geweckt: Ein Blick auf den anderen GBA-Teil The Sacred Stones oder den 3DS-Klassiker Fire Emblem: Awakening scheint nun fast unvermeidlich. Und abseits von FE bietet der GBA ja auch eine vielfältige Bibliothek an spielenswerten SRPG Titeln. Aber das ist Zukunftsmusik. Für heute gilt: Ich verfasse diesen Eintrag gerade am Sonntagabend und freue mich richtig, mich nachher nochmal ins Schlachtengetümmel zu stürzen.





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