Final Fantasy VII (PSX)
Erstveröffentlichung: 1997
Plattform: PlayStation
Entwickler: Square
Plattform: PlayStation
Entwickler: Square
Im Jahr 1997 erlebte das Genre der
JRPGs eine Zäsur, deren Auswirkungen bis heute in der Industrie
spürbar sind. Mit der Veröffentlichung von Final Fantasy VII
vollzog das Entwicklerstudio Square
(heute Square Enix) nicht nur den technologischen Sprung in die
dritte Dimension, sondern etablierte das Genre endgültig als
globalen Massenmarkt-Erfolg.
Die Entstehungsgeschichte von Final
Fantasy VII ist untrennbar mit dem damaligen „Konsolenkrieg“
verbunden. Nach einer langjährigen Exklusivpartnerschaft mit
Nintendo entschied sich Square, die Serie
nicht für das Nintendo 64, sondern für Sonys neue PlayStation zu
entwickeln. Der ausschlaggebende Grund war das Speichermedium: Die
CD-ROM bot mit 650 MB pro Disc (das Spiel erschien auf insgesamt drei
CDs) den nötigen Platz für die ambitionierten cineastischen
Visionen des Teams um Director Yoshinori Kitase und Producer Hironobu
Sakaguchi.
In Europa erschien der Titel im
November 1997 und markierte für viele hiesige Spieler den
ersten Berührungspunkt mit der Serie, da mehrere Vorgängerteile in
der PAL-Region nie offiziell veröffentlicht worden waren. Für viele
Spieler dürfte FF VII auch eines der ersten JRPGs überhaupt gewesen
sein.
Einer der markantesten Brüche mit der
Tradition war das Setting. Während die Vorgänger primär in
klassischen Fantasy-Welten angesiedelt waren, entwirft Final Fantasy
VII eine düstere, industrielle Dystopie
mit starken Cyberpunk-Anleihen.
Die Welt Gaia wird faktisch vom
Megakonzern Shinra
regiert, der dem Planeten die Lebensenergie, das sogenannte „Mako“,
entzieht, um daraus Strom und Fortschritt zu generieren. Die Handlung
beginnt mit einem Sabotageakt der Öko-Terroristengruppe AVALANCHE,
der sich der ehemalige Elitesoldat Cloud Strife als Söldner
anschließt. Was als lokaler Konflikt in der Metropole Midgar
startet, entwickelt sich zu einer globalen Jagd auf den Antagonisten
Sephiroth und thematisiert tiefgreifende Fragen zu Umweltschutz,
Identität und dem Umgang mit Verlust.
Spielmechanisch basiert Final Fantasy
VII auf dem bewährten Active
Time Battle (ATB)-System, das die Kämpfe durch einen
Zeitbalken dynamisiert. Die eigentliche Innovation liegt jedoch im
Materia-System.
Zauber, Spezialfähigkeiten und
Attributs-Verbesserungen sind an physische Kugeln (Materia) gebunden,
die in die Sockel von Waffen und Rüstungen eingesetzt werden. Dieses
System ersetzte die starren Charakterklassen früherer Tage. Jeder
Charakter kann theoretisch jede Rolle übernehmen, sofern die
entsprechende Materia ausgerüstet ist. In Kombination mit den Limit
Breaks – mächtigen Spezialattacken, die nach erlittenem
Schaden ausgelöst werden – bot das Spiel eine für damalige
Verhältnisse ein wirklich komplexes Kampfsystem.
Technisch setzte Final Fantasy VII neue
Maßstäbe durch die Kombination verschiedener grafischer Ebenen:
Vorgerenderte
Hintergründe: Die detaillierten, statischen Umgebungen
ermöglichten eine grafische Opulenz, die in echtem 3D damals nicht
realisierbar gewesen wäre.
FMV-Sequenzen:
Die nahtlose Integration von vorgerenderten Videosequenzen (Full
Motion Video) in das Spielgeschehen sorgte für eine bis dato
unbekannte cineastische Erzählweise.
Charakterdesign:
Mit dem Wechsel zu Tetsuya Nomura
als Charakterdesigner erhielt die Serie einen moderneren,
markanteren Look, der sich deutlich von den filigranen Zeichnungen
Yoshitaka Amanos unterschied.
Musikalisch
untermalt wurde das Epos von Nobuo Uematsu. Sein Soundtrack
gilt als Meilenstein der Videospielmusik.
Die europäische Erstveröffentlichung
kämpfte mit einer fehleranfälligen Übersetzung, die heute als
charmantes Kuriosum der Retro-Ära gilt. Dennoch bleibt Final Fantasy
VII das Spiel, das JRPGs im Westen salonfähig machte. Mit über 10
Millionen verkauften Einheiten des Originals und einem umfassenden
Franchise aus Spin-offs und einem modernen Remake-Projekt ist sein
Status als wichtigster Vertreter der JRPG-Geschichte auf der ersten
PlayStation-Generation unangefochten.
Mein Weg durch Midgar: Eine
persönliche Retrospektive
Obwohl Final Fantasy VII
seinerzeit die Spielewelt aufwühlte, blieb mir der direkte Zugang
damals verwehrt. Ich besaß keine PlayStation und kannte niemanden,
der eine hatte. Doch die Faszination war schon als Kind da; die
damalige Berichterstattung ließ mich spüren: Das hier ist kein
einfaches „Hüpfspiel“. Das ist etwas mit Tiefe, etwas Großes.
Es sollte jedoch 25 Jahre dauern, bis ich dieses Versäumnis endlich
nachholte. Auf der Nintendo Switch, in der Remastered-Version, fand
ich schließlich den perfekten Einstieg, inzwischen steht aber auch
eine PS1-Version in meinem Sammler-Regal.
Was mich auch zweieinhalb Jahrzehnte
später beeindruckt hat, ist der enorme Produktionswert. Natürlich
wirken die vorgerenderten Hintergründe auf modernen Bildschirmen oft
verwaschen und die Cutscenes haben ihren Glanz verloren, doch die
Atmosphäre kam immernoch stimmig bei mir als Spieler an. Ungewohnt
wirkt der wilde Mix der Artstyles: Wir haben Manga-artige
Charakterbilder, detaillierte Figuren in den Kämpfen, grobe
"Chibi"-Modelle auf der Oberwelt und fast realistische
Darstellungen in den Videos. Dieser Stil-Mix ist heute ein
nostalgisches Kuriosum.
Als Liebhaber rundenbasierter RPGs hat
mich besonders das Kampfsystem abgeholt und überhaupt habe ich das
Spiel ziemlich ausgekostet: Über 60 Stunden Spielzeit flossen in das
Abenteuer, wobei ich sogar alle Charaktere auf Level 99 trainiert
habe. Auch wenn ich die optionalen Supergegner (die Weapons)
ausgelassen habe, fühlte sich dieser Grind dank des tollen Settings
nie nach Arbeit, sondern nach belohnender Entspannung an.
Bei aller Begeisterung shee ich doch
auch die Schwächen von Final Fantasy VII (Lebensstrom) und
außerirdischen (Jenova) Elementen. Hier wäre weniger vielleicht
mehr gewesen. Man merkt dem Spiel im letzten Drittel auch an, dass
den Entwicklern etwas die Puste ausging; das Ende wirkt im Vergleich
zum restlichen Epos leider ziemlich gehastet. Auch die Minispiele
konnten mich kaum überzeugen – gerade bei Timing-Passagen steuert
sich das Spiel heute schlichtweg nicht mehr gut.
Fazit: Trotz dieser kleineren
Kritikpunkte bleibt mein Fazit eindeutig: Jeder RPG-Fan, der sich für
die Geschichte dieses Gernes interessiert, sollte diesen Titel
gespielt haben. Final Fantasy VII markierte einen
Paradigmenwechsel und erhob das JRPG in den Mainstream. Es trat eine
Welle los, die die PlayStation 1 zur vielleicht besten RPG-Konsole
aller Zeiten machte. Es ist ein Klassiker, der den Mut hatte, völlig
neue Wege zu gehen – und genau das macht ihn bis heute absolut
spielenswert.
Zum Weiterlesen
Mit Final Fantasy VII war für Square ein Auftakt geschaffen, auf den viele weitere JRPGs auf der PSX folgen sollten, so zum Beispiel der Nachfolger Final Fantasy VIII.
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